Chronik und Geschichtliches

1216   Erwähnung des Burgwards Luckenwalde
1285 Kauf des Burgbezirkes und der Stadt durch das 1170 gegründete Zisterzienserkloster Zinna
1430 Verleihung von Brau- und Handelsrechten
nach 1450 Errichtung der Pfarrkirche St. Johannis (Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert)
1540 erstes Stadtwappen
1547 Verweltlichung des Zinnaer Klosters und Umwandlung in ein Rentamt
1562    unser Ort erhält das Privilegium zu zwei Märkten, es gelten: Zinnaerscher Scheffel und Maß
1680 Luckenwalde gehört zu Brandenburg - Preußen
1684 erste Tuch- und Zeugmacher aus dem sächsischen Schandau werden angesiedelt
1745 Luckenwalde wird Amtsstadt
1808 am 19.10. wird Luckenwalde durch Einführung der Stein'schen Städteordnung offiziell Stadt
1809 aufgrund der Städteordnung vom 19.11.1808 Wahl von 7 Magistratsmitgliedern, 34 Stadtverordneten und 1 Bürgermeister
1811 Verlegung des Land- und Stadtgerichts von Zinna nach Luckenwalde
1841 Anschluss an die Bahnlinie Berlin-Halle
1858 15 öffentliche-, 736 Wohn-, 1169 Wirtschaftsgebäude
1867 Pappteller wird patentiert - Erfinder Hermann Henschel
1875 - 1910 Entwicklung einer differenzierten Industrielandschaft
1892 Kirche St. Petri erbaut
1894 Kirche St. Jakobi erbaut
1897 Synagoge in der damaligen Carlstraße errichtet
1900 Eröffnung der Kreiskleinbahn Luckenwalde-Jüterbog-Dahme
1902 Anbau der Nordkapelle St. Johannis
1914 Katholische Kirche "St. Josef" erbaut
um 1920 Luckenwalder Lied
1920 - 1930 Entstehung von Wohnsiedlungen in reformierter Bauweise in der Stadt
1928 - 1930 Fertigstellung des Ensembles Stadttheater und Schule im Bauhausstil
1939 -
1945
Kriegsgefangenenlager Stalag III A
1952 - 1993 Kreisstadt des Kreises Luckenwalde
1952 Eröffnung Radrennbahn im Werner-Seelenbinder-Stadion
1952 Feierliche Übergabe der neuen Poliklinik am Kreiskrankenhaus (03.05.)
1953 Spinnerei des VEB Volltuch im Elsthal brennt ab
1954 Gründung der ersten PGH: Dachdecker-PGH "Fortschritt" Luckenwalde (10.05.)
1954 Bestand von 9800 Wohnungen, in dem sich 13525 Haushaltungen befanden, wurde zum 01.07. ausgewiesen
1954 Eröffnung der ersten Kinder- und Jugendsportschule der DDR in Luckenwalde
1956 Erste Heimatfestwoche in der Stadt (02. - 10.06.) mit kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, jährlich bis 1960, veranstaltet
1956 Einweihung des Tierparks im Stadtpark (26.08.)
1957 Gründung der 1. Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG) des Kreises in Luckenwalde mit 75 Mitgliedern (12.02.)
1957 Eröffnung des ersten "BIWA"-Ladens (Billigwaren) in der Dimitroff-/Ecke Ackerstraße (12.03.)
1957 Gründung des VEB Wälzlagerwerkes (01.10.)
1958 38 Sparten aus dem Kreis gründen den Kreisverband Luckenwalde der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (22.08.)
1958 Gründung GPG "Neue Zeit" (26.11.)
1958 Fertigstellung des Kinderkrankenhauses
1960 Gründung GPG "Blütenfreude" (16.10.)
1980 Eröffnung des Boulevards
1993 Aus den Kreisen Jüterbog, Luckenwalde und Zossen wird der Landkreis Teltow-Fläming gebildet. Luckenwalde wird Kreisstadt.
1997 Moderner Biotechnologiepark entstanden
1999 Fläminghalle eröffnet
- Mehrzweckhalle für Großveranstaltungen
1999 -
2000
Neubau eines Freizeit- und Sportzentrums
- Eröffnung der Fläming-Therme am 20.10.2000
1999 -
2000
Ausbau der Bahnstrecke
(Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8)
Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes sowie der Bahnhofstraße
2001 BMX-Natur-Trail-Strecke am 01.06. eröffnet
2001 Teilstrecken des 100 km-langen Rad- und Skaterweges eröffnet
2001 Zusammenschluss der fünf evangelischen Luckenwalder Kirchengemeinden
2001 Unterzeichnung des URBAN II-Programmes durch den EU-Kommissar Michel Barnier in Luckenwalde am 03.12.
Dez. 2001 Baubeginn für die Ortsumgehung B101 - vierspuriger Ausbau
2002 Luckenwalde wird als "Sportlichste Stadt" Brandenburgs ausgezeichnet - 08.06.
2002 Feierliche Verkehrsfreigabe der Schwindsuchtsbrücke nach einjähriger Bauzeit - 20.09.
2002 Erster Kreisverkehrsplatz Salzufler Allee/Kleiner Haag für den Verkehr freigegeben - 09.12.
2003 Feierliche Einweihung des Berliner Platzes - 20.09.
2004 Gedenktafel für die Luckenwalder Widerstandsgruppe
"Gemeinschaft für Frieden und Aufbau"
 - 04.03.
2005 Anbringung einer Tafel zur Erinnerung an den Ehrenbürger der Stadt Luckenwalde Hans Freudenthal anlässlich seines 100. Geburtstag an seinem Geburtshaus - 09.11.
2006 1. Luckenwalder Sportclub e. V. (1. LSC) gewinnt die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen - 04.03.
2006 Freundschafts-Fußballspiel des FSV 63 Luckenwalde gegen die Deutsche Nationalmannschaft in Mannheim (0 : 7) - 16.05.
2007 Offizielle Einweihung des Schulkomplexes Jahnstraße (Grund- und Oberschule) nach aufwändigen Sanierungsmaßnahmen (01.06.)
2007 F.C. Hansa Rostock gewinnt bei einem Freundschaftsspiel mit 10:0 gegen den FSV 63 Luckenwalde anlässlich der Einweihung des Werner-Seelenbinder-Stadions nach Umbauarbeiten (14.07.)
2008 Ehrung für Hans und Frida Winkler (posthum) in der israelischen Botschaft (20.02.)
2009 Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an jüdische Einwohner (für Leo und Else Schwarzweiss in der Poststraße 27 und Charlotte Rieck in der Puschkinstraße 48) (22.08.)
2010 Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an jüdische Einwohner (für Sigismund Cohn, Flora Schneider, Friedrich Schneider, Gertrud Hirsch, Erich Schneider und Käthe Schneider in der Puschkinstraße 18)
2011 Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an jüdische Einwohner (für Malwine Rosenthal, geb. Fuss und Wolfgang Leubuscher in der Puschkinstraße 38 und Johanna Bauchwitz in der Breite Straße 32) (13.10.)

Das Luckenwalder Stadtwappen - Geschichte und Symbolik

Die Besiedlung des Luckenwalder Gebiets reicht mindestens bis zur großen Völkerwanderung zurück. Den ursprünglich hier ansässigen germanischen Stämmen folgten die slawischen Wenden, die wiederum von deutschen Siedlern verdrängt wurden. Nur wenige Spuren, Reste von Burgwällen oder der mächtige Marktturm, lassen die wechselvolle Geschichte erahnen. 1216 findet sich der Name Luckenwalde erstmals in einer Urkunde. 1285 wird Luckenwalde zusammen mit elf umliegenden Dörfern an das Kloster Zinna verkauft. Zu den heimatgeschichtlichen Eckdaten gehört eine Urkunde vom 09. Januar 1430, durch die Luckenwalde "stadtartige Rechte", wie das Braurecht, zugebilligt wurden. Trotzdem wurde Luckenwalde auch weiterhin Dorf, Flecken oder Städtlein genannt. Formell wurde Luckenwalde erst 1808 Stadt.
1540, als das Kloster dem Luckenwalder Rat die Gerichtsbarkeit in allen Polizeisachen übertrug, legte sich Luckenwalde sein Wappen (Siegel) zu, denn für Beurkundungen war es unerlässlich. Bereits das älteste bekannte Siegel (1556) trägt über dem Wappenschild einen Vogel. 1754 zeigt ein Siegelabdruck den aus der christlichen Ikonographie bekannten Pelikan.
Die Einmaligkeit des Luckenwalder Stadtwappens besteht in der Einheit von Schild und aufsitzendem Pelikan.
Die Einmaligkeit des aus dem Stadtsiegel hervorgegangen Luckenwalder Stadtwappens, besteht in der Einheit von Wappenschild und aufsitzendem Pelikan mit seinen Jungen. Dieses von der Norm abweichende Wappen führte, wegen der Forderung, den Pelikan vom Wappenschild zu entfernen, zu einem über 110 Jahre dauernden Streit zwischen dem damaligen preußisch-königlichen Heroldsamt, dem heutigen Brandenburgischen Landeshauptarchiv und der Stadt. Endlich 1995 wurde durch die Beharrlichkeit Luckenwalder Heimatfreunde und des Bürgermeisters ein tragbarer Kompromiss gefunden. Das historische Luckenwalder Stadtwappen wurde in einen normgerechten Schild eingefügt. Seine Hauptsymbolik ist auf einem Siegelabdruck von 1637 zurückzuführen - im blauen Halbrundschild ein durchbrochenes goldenes Renaissanceschild (Tartsche). Die zwei goldenen gekreuzten Krummstäbe weisen daraufhin, dass Luckenwalde seit 1285 zwei geistliche Lehnsherren über sich hatte. Rechts der Magdeburger Bischofsstab und links der Zinnaer Abtsstab. Die zwei goldenen sechsstrahligen Sterne deuten an, dass Luckenwalde der Gerichtsbarkeit von Magdeburg und Zinna unterstand. Sie gelten auch als Symbole für Glück und Ruhm. Eine goldene Tanne, in älteren Darstellungen auch ein Laubbaum oder nur ein Zweig, gilt als Symbol des Braurechts. Gelegentlich wird der Baum auch als Zeichen des Waldreichtums gedeutet. Als Luckenwalde 1680 zu Brandenburg kam, wurde der Baum durch den Kurhut, oft als Bischofsmütze fehlgedeutet, ersetzt. Seit 1901 befindet sich wieder der Baum im Wappen.

Über dem Renaissanceschild in Silber ein Pelikannest mit einem seine vier Jungen fütternden Altvogel. Dem liegt frühchristliche Tiersymbolik zu Grunde. Die Pelikanmutter hat sich die Brust aufgerissen und das tropfende Blut erweckt ihre toten Jungen wieder zum Leben. Durch diese Legende wurde der Pelikan zum Symbol der Auferweckung durch das Opfer Christi. Als Wappentier soll der Pelikan die Fürsorge des Magistrats für die Bürger der Stadt symbolisieren.

älteste Siegel von Luckenwalde

Siegel von 1807

Siegel von vor 1901

Siegel von 1925

das Siegel seit 1991 das Stadtwappen

Die Stadtflagge wurde von den Stadtfarben abgeleitet, sie ist zweistreifig gelb-blau mit dem Wappen im Obereck.

Dietrich Maetz

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Das Luckenwalder Wappentier - Symbol aufopfernder Hingabe

Der Pelikan wurde besonders seit dem 13. Jahrhundet ein beliebtes Motiv christlicher Kunst. Im "physiologus", einem im zweiten Jahrhundert entstandenen Buch frühchristlicher Tiersymbolik heißt es im Kapitel "Vom Pelikan" u. a. ...Schön spricht der physiologus über den Pelikan. Es sagt David: "Ich bin gleich dem Pelikan in der Wüste (Psalm 102.7). Dieser Pelikan ist ein Vogel, die Schlange ist seinen Jungen Feind. Was macht nun der Pelikan? Er befestigt sein Nest in der Höhe und macht darum einen Zaun von allen Seiten wegen der Schlangen. Was tut nun die hinterlistige Schlange? Sie beobachtet nach allen Seiten, woher der Wind weht, und von daher bläst sie den Jungen ihr Gift zu, und sie sterben sofort. Da kommt der Pelikan und sieht, dass seine Kinder tot sind. Mit seinen Flügeln schlägt er seine Seite, und das Blut tropft auf seine Kinder und sie werden zum Leben erweckt.

Es wird nun der Pelikan dem Herren verglichen, seine Kinder aber sind Adam und Eva und unser Geschlecht; sein Nest ist das Paradies und die Schlange ist der abgefallene Teufel. Denn es hat die erzböse Schlange die Erstgeborenen wegen des Ungehorsams angehaucht und sie sind in ihrer Sünde gestorben. Unser Herr und Gott, aus Liebe zu uns an dem teuren Kreuz erhöht und in die Seite gestochen durch die Wolke des heiligen Geistes, hat uns das ewige Leben geschenkt.

Als Luther die Bibel übersetzte, bemühte er sich um eine bildhafte, dem Volk verständliche Sprache. So ersetzte er z. B. im Psalm 102.7 den nur aus der Legende bekannten Pelikan durch die heimische Rohrdommel.

Quelle: Physiologus, Union Verlag Berlin 1981

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Ehrung für Hans und Frida Winkler (posthum)

Von der Israelischen Holocaust-Gedenkstätte YAD VASHEM in Jerusalem sind Hans und Frida Winkler (posthum) mit dem Ehrentitel "Gerechte/r unter den Völkern" ausgezeichnet worden. Die so Geehrten haben viel gewagt, um während der Zeit des Naziregimes verfolgten Juden lebensrettend zu Hilfe zu kommen und dafür im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben und ihre Freiheit eingesetzt.
Berlin und Luckenwalde sind die Orte des Geschehens, deren Mittelpunkt bildete eine kleinere Organisation jüdischer und nicht-jüdischer Widerständler, die ihre kompromisslose Gegnerschaft gegen das Unrechtsregime einte. Sie nannte sich "Gemeinschaft für Frieden und Aufbau". Ihr Gründer war der im Untergrund lebende Berliner Jude Werner Scharff und ihr Leiter Hans Winkler. Nicht wenige der im Berliner Untergrund lebenden Juden haben dank der Geehrten die Zeit ihrer Verfolgung durchgestanden. Eugen Herman-Friede ist einer dieser jüdischen Überlebenden. Als Jugendlicher lebte er längere Zeit illegal im Haushalt von Hans und Frida Winkler. Er war es auch, der die damaligen Ereignisse detailliert für die historische Forschung zugänglich machte. So heißt es in einer Erklärung der Botschaft des Staates Israel.
In einer Gedenkstunde am 20. Februar 2008 überreichte offiziell der Gesandte an der Botschaft des Staates Israel, Ilan Mor, stellvertretend für die posthum Geehrten ihrer Tochter Ruth Kühne-Winkler die YAD VASHEM-Medaille und -Urkunde. In seinem Grußwort heißt es:
"Meine Damen und Herren, SCHALOM!
Ich begrüße Sie im Namen der Botschaft des Staates Israel in Berlin zu dieser Feierstunde - und heiße Sie alle auf das herzlichste willkommen.
Die heutige Feierstunde, im Namen von YAD VASHEM, lässt mich an ein Wort des Friedensnobelpreisträgers von 1986, Elie Wiesel, denken:
Elie Wiesel, der 1944 als Vierzehnjähriger zusammen mit seiner Familie selbst zum Opfer der Verfolgung durch das Nazi-Regime geworden war und Auschwitz und Buchenwald überlebt hat, schrieb:
'Man muss Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer…Wenn man liest, was eine Handvoll Männer und Frauen erreicht haben, dann versucht man sich vorzustellen, was hätte erreicht werden können, wenn mehr Menschen ihre Anteilnahme gezeigt hätten.'
Sätze, die zwei Dinge zum Ausdruck bringen:
Einerseits, die verzweifelte Betroffenheit darüber, dass damals so viele Menschen schwiegen und alles geschehen ließen, obwohl es darauf angekommen wäre, zu helfen.
Andererseits aber auch Dankbarkeit und Anerkennung den wenigen gegenüber, die handelten und im Rahmen ihrer relativ begrenzten Möglichkeiten alles in ihren Kräften Stehende taten, um Menschen vor Verfolgung und dem sicheren Tod zu retten.
Meine Damen und Herren,
die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde 1953 vom israelischen Parlament, der Knesset, bevollmächtigt, den Menschen den Titel eines "Gerechten unter den Völkern" als Geste des Dankes von Seiten des jüdischen Volkes zu verleihen, die aus rein humanitären Beweggründen unter Einsatz ihres eigenen Lebens Juden gerettet haben.
Die Retterinnen und Retter jüdischen Lebens, die wir heute ehren, haben durch ihr mutiges Handeln gezeigt, dass es auch unter dem Diktat und dem Terror der Nationalsozialisten Menschen gegeben hat, die sich Mitmenschlichkeit und Mitgefühl nicht haben nehmen lassen.
Sie haben dadurch auch die Behauptung, man habe nichts tun können gegen den Terror, als Legende entlarvt.
Die Geschichte der Rettung von Juden vor dem mörderischen Rassenwahn des NS-Regimes ist die Geschichte von Menschen, die diesem verbrecherischen Regime nicht nur ihre Gefolgschaft verweigerten, sondern die - ungeachtet der Gefährlichkeit ihres Tuns für ihr eigenes Leben - an ihrer Menschlichkeit, ihrem Sinn für Gerechtigkeit und an dem für sie Selbstverständlichen festhielten: der Zuwendung an Menschn in Not.
Die Geschichte der Geretteten und ihrer Retter besteht vor allem aus einzelnen Schicksalen.
Sie stehen jeweils für sich allein. In ihrer ganzen Tragik und menschlichen Größe.
Sie lebten Zivilcourage, Anstand, Humanität - und ließen sich nicht darin beirren. Sie sind mit mutigem Beispiel vorangegangen. Menschlichkeit war für sie oberstes Gebot.
Menschen wie sie, die sich entschieden gegen Diskriminierung,Verfolgung und Mord anderer stellten, werden uns unvergessliche Vorbilder bleiben, wie Leuchttürme, die uns immer den Weg zeigen, auch wenn wir weit entfernt oder in der Dunkelheit sind!
Jeder Einzelne der Retter rechtfertigt die Existenz der Welt und den Glauben an die Menschheit.
Der Präsidenten der Vereinigten Staaten, Andrew Jackson, hat gesagt: 'Ein einziger Mann mit Mut ist die Mehrheit.'
Meine Damen und Herren,
die Auszeichnung für ihren Einsatz zur Rettung jüdischen Lebens ist ein Zeichen der Dankbarkeit und der Erinnerung an ihr Tun.
Das Erinnern symbolisiert eine Entschlossenheit, der jungen Generation vor Augen zu führen, wozu Menschen fähig sein können, wenn es um Menschenwürde und Menschenrechte geht.
Eine Erinnerung, die wir aufrechterhalten und weiter verbreiten wollen und müssen: nicht unserer Vergangenheit wegen, sondern um unserer Gegenwart und Zukunft willen.
Meine Damen und Herren,
angesichts der Hasstiraden und des Verbalradikalismus des iranischen Präsidenten gegen Israel in letzter Zeit und angesichts seiner Leugnung des Holocaust ist es unerlässlich, nicht nur der Millionen von Opfern der Schoah, sondern auch derer zu gedenken, die Juden und Nichtjuden vor dem Naziregime retteten.
Das Erinnern soll uns wachsam halten gegen jede Form des Antisemitismus, des Extremismus und der Intoleranz - und zwar Tag für Tag!
Taten wie die der 'Gerechten' lassen uns hoffen, erhalten unseren Glauben an die Menschheit und geben uns Vertrauen in die Existenz der Welt.
Wir verneigen uns vor Ihnen in Dankbarkeit und Hochachtung.
Ich danke Ihnen. Shalom!"

Frau Kühne-Winkler fühlte sich für ihre Eltern geehrt und bedankte sich für die Auszeichnung. Ferner betonte sie: "Ich bin sehr stolz darauf, solche Eltern gehabt zu haben. Leider gab es so wenige, die sich damals für die Menschheit eingesetzt haben, denn sonst würde die Welt ein bisschen besser ausgesehen haben und es hätten mehr überlebt."
An der Gedenkstunde in der israelischen Botschaft nahmen auch Zeitzeuge Eugen Herman-Friede, Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide und Pfarrer Detlev Riemer teil.
In ihrem Grußwort Grußwort zur Verleihung der Ehrung für Frida und Hans Winklerheißt es:
"Sehr geehrter Herr Botschafter, liebe Ruth Winkler-Kühne, meine sehr geehrten Damen und Herren,
im düstersten Kapitel der deutschen Geschichte, die durch Terror, Furcht, Missachtung von Menschen und ihrer Rechte gekennzeichnet war, hat es auch Lichtpunkte gegeben, die diesem System getrotzt haben. Es erfüllt mich mit Bewunderung, dass Bürger unserer Stadt bereit waren, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um in der Widerstandsgruppe "Gemeinschaft für Frieden und Aufbau" ihre Gesinnung und Mitmenschlichkeit zu behaupten. Sie riskierten alles, um verfolgte Menschen zu retten; aber auch um in waghalsigen Flugblattaktionen für das Ende des Krieges und den Sturz der mörderischen Diktatur zu kämpfen.
Ich weiß sehr wohl, dass dieser Riesenmut keine Massenbewegung gewesen ist. Wie in allen anderen Städten auch, war Bespitzelung und Denunziation auch in Luckenwalde an der Tagesordnung:
· Neben denen, die 1931 den jüdischen Arzt Dr. Salomon zum 1. Bürgermeister der Stadt Luckenwalde wählten, hat es diejenigen gegeben, die ihn tyrannisiert und ins Exil getrieben haben.
· Es hat Schläger und Folterer gegeben. Es hat diejenigen gegeben, die sich offen oder klammheimlich am Hab und Gut derjenigen bereicherten, die alles zurücklassen oder zu einem Spottpreis veräußern mussten.
· Es hat die Macher gegeben, die lauten Beifallrufer, die stillen Gehilfen, die Dulder und die Weggucker.
Ich halte es für wichtig, sich die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens vor Augen zu führen. Es ist auch richtig, sich ohne überhebliche Selbstgerechtigkeit - über Täter und ihre Untaten zu entrüsten und sich von der Zivilcourage derjenigen beeindrucken zu lassen, die sich widersetzt haben.
Was bedeutet nun die Auszeichnung von Frida und Hans Winkler als Gerechte unter den Völkern für die Stadt?
Vor allem steht, dass die Zeit der menschenverachtenden Diktatur des Nationalsozialismus, die auch die systematische Entrechtung, Lebensbedrohung, Vertreibung, Verfolgung aller Juden Luckenwaldes und die Ermordung vieler bewirkte, niemals vergessen werden darf. Diese barbarischen Umstände machten es ja erst notwendig, dass Menschen wie Frida und Hans Winkler über sich hinauswuchsen, um als Lebensretter ihr eigenes Leben und das ihrer Familie zu riskieren.
Die Auszeichnung macht deutlich, dass die menschlichen Werte, für die Hans und Frida Winkler stehen, zeitlos sind und deren Wertschätzung keinem Verfallsdatum unterliegt.
Die Stadt ist heute stolz auf Hans und Frida Winkler, auf ihre Zivilcourage, die Vorbild ist. Die Stadt ist auch stolz auf die ihren Mitbürgern verliehene Auszeichnung - wohl wissend, dass zwei Gerechte unter den Völkern nicht das in der Stadt begangene Unrecht und die Schuld anderer aufwiegen können."

YAD VASHEM, die Behörde zur Verewigung des Andenkens an die Märtyrer und Helden in Jerusalem ist Erinnerungsstätte und zugleich Forschungszentrum, das sich mit dem Schicksal der Europäischen Juden während der Zeit des Zweiten Weltkrieges befasst. Es hat unter anderem auch die Aufgabe, derer in Dankbarkeit zu gedenken, die mit persönlichem Einsatz und unter Gefährdung des eigenen Lebens, oft auch dem ihrer Familien, versuchten, Juden zu retten.
YAD VASHEM tut dies symbolisch mit dem Ehrentitel "Gerechte/r unter den Völkern". Er umfasst Medaille und Urkunde sowie die Verewigung des Namens auf der MEMORIAL-Wall im "Garten der Gerechten" in YAD VASHEM. Dies ist die höchste Auszeichnung, die Israel an Nicht-Juden vergibt. Bis heute haben nahezu 23.000 Frauen und Männer aus allen Teilen Europas diesen Ehrentitel erhalten. Unter den Geehrten sind an die 500 Deutsche.

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Feierstunde anlässlich der Instandsetzung des Jüdischen Friedhofes Luckenwalde

am 21. September 2006 - 28. Elul 5766
Tafel

Mit dieser Feierstunde fand die Instandsetzung des während der NS-Zeit geschändeten Jüdischen Friedhofs unserer Stadt an der Straße "Grüner Weg" seinen würdigen Abschluss.
Die Instandsetzung wurde in enger Abstimmung mit dem Landesrabbinat Brandenburg und dem Zentralrat der Juden in Deutschland, entsprechend jüdischem Religionsgesetz unternommen. Dabei erhielt er wieder eine Umfriedung und die Namen der Bestatteten wurden - da keine Grabsteine mehr vorhanden sind - auf einer neu geschaffenen Namenstafel verzeichnet. Gleichzeitig konnten die Grundmauern des zerstörten Friedhofgebäudes freigelegt und wieder sichtbar gemacht werden. Auch erfolgte der Einbau eines Fußbodens. Das Areal wurde beräumt und überwiegend als Rasenfläche gestaltet. Die vorhandene Feldsteingruppe wurde wieder errichtet.
Die Feierstunde wurde mit dem Gebet Schuwi nafschi von Oberkantor Isaak Sheffer, Jüdische Gemeinde zu Berlin, eröffnet.Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide ging in ihrer Ansprache auf die Bedeutung dieses Ortes ein. Dabei hob sie hervor, " dieser Platz ist keine Holocaust-Gedenkstätte. Dieser Platz ist auch keine ehemalige jüdische Bestattungsstätte, sondern dieser Platz ist nach wie vor der jüdische Friedhof Luckenwaldes."
"Auf den ersten Blick scheint es, als wäre das Anliegen der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer Vollstrecker am Orte aufgegangen: Nicht nur die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens ist vollzogen, sondern beinahe auch die Tilgung aus dem kollektiven Gedächtnis, welche Anteile jüdische Bürger an der Entwicklung dieser Stadt haben." Das politische System der DDR zeigte wenig Interesse am Gedenken an den Anteil der jüdischen Mitbürger an der Geschichte Luckenwaldes und auch im Stadtbild gibt es kaum noch Anhaltspunkte für dieses Wirken.

Tafel-2

Aber an vielen Beispielen und Aktivitäten wird die "enge Verflechtung zwischen Pelikan und Davidstern" deutlich:
· Pfarrer Detlev Riemer spürte Spuren jüdischer Bürger Luckenwaldes auf
· "Wiederentdeckung" der Hachscharah im nahen Ahrensdorf durch Dr. Herbert Fiedler und seine Frau Ruth
· Würdigung des Wirkens der Luckenwalder Widerstandsgruppe "Gesellschaft für Frieden und Aufbau"
· Ernennung Prof. Dr. Hans Freudenthals zum Ehrenbürger
· Anbringen einer Erinnerungsplakette an seinem Geburtshaus, der ehemaligen jüdischen Synagoge
· die lebendige Schilderungen seiner Lebensgeschichte von Werner Goldstein
· neu gestaltete Ausstellung im Heimatmuseum würdigt auch Leistungen der jüdischen Mitbürger
· Gestaltung einer Anne-Frank-Ausstellung durch Schüler des Gymnasiums
· Richtfest und Wiederherstellung der ehemaligen "Mendelsohnhalle"
Sie dankte neben den genannten weiteren Sponsoren für ihre Muskel-, Geistes- und Finanzkraft: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK), Kulturstiftung Teltow-Fläming der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, dem Südbrandenburgischen Abfallzweckverband, der Firmengruppe Rose aus Luckenwalde und dem Verein Luckenwalder Heimatfreunde e.V.
"An dieser Aufzählung können Sie ermessen, dass das Anliegen der Aufwertung dieser Stätte von vielen Menschen unterstützt worden ist.
Mir gefällt, dass seine Fertigstellung durch eine Feierstunde gewürdigt wird, in der nicht über jüdischen Glauben philosophiert wird, sondern in der jüdischer Glaube praktiziert wird. Dadurch wird deutlich, dass mit der Zerschlagung der jüdischen Gemeinde vor 68 Jahren nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Es wird aber auch deutlich, dass dieser Friedhof nicht ein Relikt der Geschichte ist, sondern ein sehr gegenständlicher Teil der real existierenden Gegenwart der Stadt Luckenwalde.
Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden in Deutschland war "dankbar für den Weg der zur Wiedererrichtung geführt hat. Die Leere (des Friedhofes) ist bewusst sichtbar, aber die (zahlreiche) Anwesenheit beweist etwas anderes" Er ging auf die Problematik Juden, Judentum, Friedhof in ihren vielen Facetten im Sinne eines Frage stellens ein, " viele Fragen stellen sich immer wieder. An jedem Ort in Deutschland kann man sich (diesen) Fragen nicht entziehen. Sie sind Ausdruck einer Anforderung: "Suche den Frieden und jage ihm nach (Buch Hiob)".
Herr Hajo Cornel, Abteilungsleiter Kultur im MWFK, würdigte die zentrale Bedeutung dieser Stätte: "Wir sind heute hier zusammen gekommen, um derer zu gedenken, die auf diesem Friedhof begraben sind. Wir tun es in dem Bewusstsein, dass nahezu 70 Jahre vergangen sind, seit Bürger jüdischen Glaubens hier in Luckenwalde gelebt und gearbeitet haben. Sie haben die Geschicke der Stadt mitgeprägt. Aber mit dem Beginn der Naziherrschaft wurden sie systematisch vertrieben - manche ins Exil, die meisten in den Tod in den Gaskammern.
Das einzige, das von ihnen blieb, ist dieser Gedenkstein, dieses Gräberfeld. Beides ruft uns die Namen der Verstorbenen in Erinnerung. Beides entreißt sie dem Vergessen und gibt den Nachgeborenen die Chance, uns ihrer Namen und Schicksale zu erinnern."
Dr. Joachim G. Jacobs, Landschaftsarchitekt Berlin schilderte die Entwicklung der Instandsetzung des jüdischen Friedhofes - dem "Haus des Lebens" oder "Der gute Ort".
Wieder sichtbar geworden sind die Fundamente des Friedhofsgebäudes, des wichtigsten Bau's neben der Synagoge. Vorgesehen ist die teilweise Errichtung der Friedhofsmauer.
"Wichtiger als das Haus des Lebens sind lebende Häuser", denn deren Bewohner tragen das Erinnern.
Ihren feierlichen Abschluss fand diese würdige und dem Anlass gerecht werdende Feierstunde mit den Gebeten El male rachamim und Kaddisch .
Im Anschluss hielt Pfarrer Detlef Riemer, Evangelische Kirchengemeinde Luckenwalde, im Rathaus einen Vortrag.

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Gedenktafel für die Luckenwalder Widerstandsgruppe

"Gemeinschaft für Frieden und Aufbau"
Gedenktafel für Frieden und Aufbau

Bei der Einweihung der Gedenktafel für die Luckenwalder Widerstandsgruppe "Gemeinschaft für Frieden und Aufbau" auf dem Bahnhofsvorplatz am 04. März 2004:

Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide, die Zeitzeugen Ruth Winkler -Kühne und Eugen Herman-Friede sowie Historikerin Barbara Schieb aus Berlin (v.l.)
Frau Herzog-von der Heide hielt folgende Ansprache:
Martin Niemöller war engagiertes Mitglied der Bekennenden Kirche und als "persönlicher Gefangener" Hitlers von 1938 bis Kriegsende in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert. Von ihm stammen folgende Gedanken:

"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."

Wir gedenken heute der Menschen aus dieser Stadt, die ein anderes Resümee für sich ziehen konnten. Denn hier haben Menschen gelebt, die sich - ungeachtet ihrer politischen Weltanschauung und ihrer Herkunft - von gemeinsamen Werten wie Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und enormer Zivilcourage leiten ließen. Sie setzten ihr Leben aufs Spiel, um verfolgte Menschen zu retten; aber auch, um mit riskanten Flugblattaktionen für das Ende des Krieges und den Sturz der mörderischen Diktatur zu kämpfen.
Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Hochachtung, dass es in dieser Stadt auch diese "Kleinen Leute" mit ihren großen Herzen und Riesenmut gegeben hat.
Für die Stadt ist es nun höchste Zeit, sich dauerhaft an diese Menschen zu erinnern. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir nun endlich das Versprechen einlösen können und mit dieser Gedenktafel im Bahnhofsvorplatz ab heute die bewunderungswürdige Haltung und Taten allgegenwärtig machen.

Inschrift der Gedenktafel:

‚In Memoriam
1943 und 1994 kreuzten sich am Luckenwalder Bahnhof die Wege vieler Beteiligter der Widerstandsgruppe "Gemeinschaft für Frieden und Aufbau". Untergetauchte Juden kamen hier an, und tausende Flugblätter wurden von hier aus in andere Städte gebracht.
Hans und Frida Winkler, Werner Scharff, Fancia Grün, Fritz Arndt, Georg Brachmüller, Hilde Bromberg, Anja, Julius und Eugen Friede, Ilse und Gerhard Grün, Lucie und Paul Hitze, Gertrud und Arthur Joachim, Paul Kräge, Henry Landes, Günter Naumann, Paul Rißmann, Paul und Ida Rosin, Michael Schedlbauer, Alfred Stein, Paul Thiele.'

Diese Lebenswege sind bis in die Gegenwart Vorbild und können jeden einzelnen darin bestärken, Tugenden wie Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Toleranz Wert zu schätzen, sie zu leben und den Mut aufzubringen, das, was richtig ist zu erkennen und zu tun.
Darüber, wer diese Menschen waren, was sie bewegte und wie sie agierten, werden diejenigen berichten, die das am besten können, nämlich Herr Eugen Herman-Friede als ein Mitglied und Geretteter der Widerstandsgruppe und Frau Winkler-Kühne, deren Vater ein Kopf der Widerstandsgruppe war. Ich lade Sie alle herzlich zur Nachfolgeveranstaltung ins Rathaus ein.
Dieser Einladung folgten rund 80 Interessierte, die der offenen Runde im Rathaus aufmerksam zuhörten.
Die Luckenwalder Widerstandsgruppe entstand namentlich 1943. Doch bereits 1938 trafen sich Hans Winkler, Günter Samuel und Erich Schwarz, um jüdische Menschen vor der Deportation zu retten. Seit 1941 widmeten sich dieser Aufgabe ferner Paul Hitze, Henry Landes, Paul Rißmann und Paul Rosin. Weitere Helfer traten der Gruppe bei, die mit der Verteilung von Flugblättern zum Widerstand aufrief.
Die Besonderheit der Luckenwalder Widerstandsgruppe bestand darin, dass Juden und Nicht-Juden trotz antisemitischer Hetze zusammenhielten und -arbeiteten.
Als Motiv für den Standort der Gedenktafel am Bahnhofsvorplatz führte Historikerin Barbara Schieb aus Berlin aus - die die Gesprächsrunde moderierte -, da hier die hilfesuchenden Menschen ankamen und von dieser Stelle aus die Flugblätter in die Gegend gebracht wurden. Über die Flugblattverteilung berichtete lebhaft Ruth Winkler-Kühne (Tochter von Hans Winkler). Sie war damals zwölf Jahre alt, hatte in ihrem Kinderkoffer unter Spielzeug versteckt die Flugblätter und reiste mit ihrem Vater nach Berlin. Während der Kontrollen wurde ihr schon mulmig, es ging aber alles gut aus.
Eugen Herman-Friede kam als 17-jähriger Jude in die Winkler-Familie. Er fühlte sich in der Zwei-Zimmer-Wohnung in der heutigen Karl-Marx-Straße 6 gut aufgenommen, gar so als sei es seine Familie. Um mal auf die Straße gehen zu können, zog er eine HJ-Uniform an. Ansonsten musste er sich, wenn es bei Winklers an der Tür klingelte, im Kleiderschrank hinter einem Mantel verstecken.
Viele Luckenwalder halfen Winkler und seiner Gruppe, sie trafen sich in seiner Wohnung, in der Schankstätte "Zur kleinen Hütte", selbst im Kriegsgefangenenlager (Stalag) kamen sie zusammen.
In dem zu Beginn der Veranstaltung vorgeführten Videofilm der Realschule von 1992 zeigte Zeitzeuge Günter Naumann die Schauplätze der Widerstandsgruppe. Naumann konnte aus gesundheitlichen Gründen bei der Veranstaltung nicht dabei sein. Er selbst bezeichnete sich im Film als Benjamin dieser Gruppe. Naumann war sich aufgrund seiner Jugend der Gefahr nicht bewusst, die ihn und alle anderen während der Aktionen stets begleitete.
Ruth Winkler-Kühne dankte der Stadt Luckenwalde für die würdevolle Ehre, die ihrem Vater und den Mitgliedern der Widerstandsgruppe mit der Gedenktafel zu teil werde. Die Erinnerung an diese schlimme Zeit solle gerade in der heutigen, wo Gewalt schon unter Jugendlichen beginnt und Ausländerfeindlichkeit auf der Tagesordnung steht, wachgehalten werden.

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Stadt Luckenwalde aktualisiert: 15.03.2012

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